Schweiss, Turbulenzen, Wasser, ein riesiges Fest und ganz stolze Turner

Die Stimmung war eigentlich gut, als der TV Seuzach im Zug nach Lausanne sass. Erstes Stirnrunzeln kam jedoch auf, als es hiess: Der Zeltplatz sei voll. Jetzt schon? Denn es war Donnerstagnachmittag, der allererste Tag der zweiten ETF-Woche. Unser Plan war folgender: Donnerstagabend Zelte aufschlagen, Freitag turnen, Samstag befreundete Vereine anfeuern, Sonntag heimreisen und vom Dorf empfangen werden. So wurden Witze gemacht, wo wir wohl schlafen werden diese Nacht. Unser Oberturner Reto Moos war derzeit schon auf Platz und hat mit viel Routine der Ruth ihre ineffiziente Zeltverteilung erklรคrt.
So blieb uns nur noch Platz – nicht bei Philipp oder auf den Philippinen – sondern auf einem รผberwachsenen, brachliegenden Schotterplatz neben einer lauten, stinkenden und hell beleuchteten Kreuzung der dortigen Hauptstrassen. Man nimmt, was man kriegt.

Freitag war Wettkampftag

Frรผh war Tagwach, man hatte gerade Glรผck, wenn man sein mitgebrachtes Frรผhstรผck verspeisen konnte und schon gings zum den ersten Disziplinen. Dies alleine ist fรผr einen gestandenen Turner natรผrlich kein Problem. Umstรคndlich war das lokale ร–V-System zu verstehen. So stand man stรคndig statt auf den Wettkampfplรคtzen (welche in grossen Abstรคnden zueinander standen), noch im Bus und der zwischen den Autos, nur die U-Bahn stand stets pรผnktlich bereit. Der Transfer war also ganz und gar nicht selbstverstรคndlich. Trotzdem liessen wir uns nicht um den Verstand bringen und schafften es, immer rechtzeitig bereitzustehen.

Resultate

Wir starteten in der 1. Division, im 3-teiligen Wettkampf und erturnten folgende Noten:
GK Barren/Boden 8.21, Kugel 7.53, Weitsprung 7.27, 800m 8.34, Schleuerball 6.44, Hochsprung 7.5, 80m-Pendelstafette 8.11, Speer 8.43. Somit reichte es zu einer Gesamtnote von 23.22, leider leicht unter unserer Erwartung.
Unsere beste Note war in der Gymnastik: 9.33. Sie ist jedoch separat gewertet.

Pascal wollte nach dem Einzel-Wochenende erneut brillieren.

Unzรคhlige unterschiedliche Erlebnisse

Blickt der Schreiberling nach knapp zwei Monaten auf die Erlebnisse in Lausanne zurรผck gรคbe es viel Geschichten zu erzรคhlen: Als eine Gruppe Turner mit ihrem Uber in die komplett falsche Ecke der Stadt reiste, รผber die Geschichte mit dem zerbrochenen Tisch und dem fast gebrochenen Fuss. Wie sich die ยซIntellektduelliertenยป, wie versucht wurde Schwerhรถrigen ein Ross zu verkaufen, wie alle den DTV Seuzach an bei ihren Disziplinen anfeuerten.

In guter Erinnerung ist auch der Genfersee, der zum Baden lockte. Fรผr einige endete das eherย sturzhaft, andere entschieden sich fรผr einen geordneten Nac(h/k)tschwumm.

Sportlich und Erfrischend: Akrobatik im Genfersee.

Auch die รœbernachtungen waren sehr unterschiedlich: Von dรผnnsten Isomatten bis zur Luftmatratze in Queensize-Format (in einem 6er-Zelt tatsรคchlich so doof wie es tรถnt) war alles dabei. Am Samstag- und Sonntagmorgen gab es verschiedene Mรถglichkeiten fรผrs Frรผhstรผck: Thaicurry am Strassenrand, Schnitzelbrot am See oder ein pittoreskes ยซPetit dรฉjeuner parisienยป, mit Pain au Chocolat und Croissants auf einem Balkon in der wunderschรถnen Altstadt Lausannes.

An dieser Stelle seien unsere Einzelturner erwรคhnt: Sie bestritten bereits am ersten Wochenende einen Mehrkampf. Ein Novum dieses Jahr: Pasci Elsener, Gian Oklรฉ, Oli und Joel Hurni, Simon Rauchegger, Sven Lobeto und Pascal Gaull wagten sich an den Leichtathletik 10-Kampf, der unter anderem Hรผrdenlauf und Stabhochsprung beinhaltet. Fรผr das, dass sie fรผrs ETF diese Disziplinen extra neu erlernten, legten sie beachtliche Leistungen hin, es reichte sogar zu einer Auszeichnung!

Nach dem Vorbild Duplantis mรถchte Simon hoch hinaus.

Sie sehen: Jeder Turner hat an diesen zwei langen Turnwochenenden einzigartige Geschichten erlebt, unmรถglich sie in einen solchen Bericht zu kriegen, weshalb man sie am Besten persรถnlich auf ihre Erfahrungen anspricht.

Die gemeinsamen Nenner

Neben all diesen individuellen Erlebnissen, gibt es einige Dinge, die allen Turner und Turnerinnen in Erinnerung bleiben wird: Fast durchwegs schรถnes Wetter und der zum Schwimmen einladende Genfersee, das riesige Festgelรคnde direkt am See und die gute Stimmung bis in die Morgenstunden. Und natรผrlich vor allem auch, wie wรผrdevoll uns das Dorf empfing: Wie geplant kamen wir am Bahnhof an und marschierten stolz, angefรผhrt von der Musikgesellschaft Seuzach, einmal quer durchs Dorf.

Die ganze Turnerfamilie marschiert hinter der Musikgesellschaft vom Bahnhof zum Rietacker

Schaulustige, Anwohner und Angehรถrige beklatschten uns und schlossen sich unserem Umzug an. So erreichte der Zug eine ziemliche Lรคnge, weshalb es dann auch einen Moment dauerte, bis sich alle auf den Festbรคnken vor dem Rietacker einfanden. Dort wurde bei dem von der Gemeinde offerierten Apรฉro den Ansprachen gelauscht, letzte Fotos gemacht und den Liebsten von diesem unvergesslichen Erlebnis berichtet.

Marco Frei